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Tradition

Fast 150 Jahre Handwerk.
Eine Familie.

Von der Gründung 1878 am Boeler Kirchplatz bis zur fünften Generation an der Hospitalstraße: die Geschichte unserer Fleischerei — und die des Ortes, aus dem sie stammt.

Die folgenden Kapitel gehen auf die Familien- und Ortschronik zurück, wesentlich auf die Schrift „700 Jahre Boele" von Dr. Otto Schnettler (1952). Einzelne Zeitangaben wie „vor 135 Jahren" beziehen sich auf den Zeitpunkt ihrer Niederschrift.


Kapitel I

Der Grund, auf dem wir stehen

„Unter allen Gemeinden, die die Großstadt Hagen in den Jahren 1875 bis 1929 eingemeindet hat und die wie ein prächtiger Kranz die Altstadt umgeben, bildet die Gemeinde Boele den schönsten Schmuck … Eine vielseitig gesegnete Landschaft, die man getrost das ‚Paradies Westfalens‘ nennen könnte."

P. D. Frommann, „Aus der Geschichte der Gemeinde Boele", 1927

Aus dem Wurzelboden dieser Gemeinde stammt auch die Sippe der Schnettlers. Sie wurde von ihm geprägt und getragen bis auf den heutigen Tag; und von dieser Gemeinde Boele soll im Folgenden die Rede sein.

Dr. Otto Schnettler (geb. 1882, gest. 1974), der bekannte Heimatforscher und Schriftsteller, ein Mitglied unserer Familie, hat aus Anlass der 700-Jahr-Feier des Kirchspiels Boele im Jahre 1952 eine Schrift herausgegeben unter dem Titel „700 Jahre Boele". Aus dieser Schrift sind im Wesentlichen die folgenden Ausführungen entnommen.

Der Name Boele — „in Bule" — ist zum ersten Mal erwähnt in einer Urkunde der Äbtissin des Stiftes Herdecke vom 13. Juli 1240. Das Kirchspiel Boele aber dürfte wohl 100 Jahre älter sein. Das ergibt sich aus der Beschaffenheit der alten romanischen Dorfkirche, die, 1878 abgebrochen, einen typisch romanischen Bau des 12. Jahrhunderts darstellte. Nach 1324, als die Grafen von der Mark unsere Landesherren wurden, richteten diese im Rahmen der Freigrafschaft das Amt Wetter ein, zu dem auch Boele gehörte. In Boele selbst hatte das Volmestein'sche Lehnsgericht seinen Sitz, das hier bis nach 1800 bestanden hat. 1887 wurde der Kreis Hagen gebildet, zu dem das Amt Boele gehörte. Seit 1929 gehört die Gemeinde Boele zur Stadt Hagen.

Boele und die umliegenden Ortschaften hatten bis um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ausgesprochen ländlichen Charakter. Bauernhäuser alten Stils haben sich nur in einigen Exemplaren erhalten — zur Zeit etwa der Hof Lammert in Boele, Storcksdieck in Bathey und Külpmann in Hengstey. Einer der ältesten Höfe, Osthof, später Müller-Heesing an der Osthofstraße, musste vor einigen Jahren der neuen Bebauung weichen.

Seit der Jahrhundertwende hat Boele ein ganz anderes Gesicht erhalten, und zwar besonders durch die Ansiedlung von industriellen Unternehmungen. Mit der steigenden Zahl der Fabriken wuchs auch die Zahl der Wohn- und Geschäftshäuser. Der Aufschwung der Industrie rief nicht nur wirtschaftliche und siedlerische Veränderungen hervor; es bildeten sich neue soziale Schichten. Dazu kamen dann bald die Beamten des Staates und der Gemeinde, der Eisenbahn und der Post und schließlich der Arzt und der Apotheker. Nicht zuletzt hatten Nutzen von der gesamten Entwicklung die privaten Unternehmer, die Kaufleute, Handwerker und Geschäftsleute.

Historische Ansicht des alten Dorfes Boele
Das alte Boele — bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein Dorf mit ländlichem Charakter.
Das Schnettler'sche Familienwappen
Das Schnettler'sche Wappen — geführt von Carl Gustaff Schnettler, Reval 1720.

Kapitel II

Der Name Schnettler und das Schnettler'sche Wappen

Der Name Schnettler — auch Schnetzler oder Schnitzler geschrieben — lässt sich bis weit in die Geschichte von Boele und darüber hinaus zurückverfolgen.

Nach dem Boeler Markenprotokoll wurde 1651 einem Schnetzeler im „Altenhof" ein Stück Holz angewiesen. Ebenso ist dort im Jahre 1602 die Rede von einem „Kramers Kotten", der einem „itzo Schnetzler" (als Pächter) gehört. Nach den Archivunterlagen vom Gut Werdringen wird dieser Kramers Kotten unterm 7. August 1681 an Johann Nottebaum genannt „Schnettler" verpachtet.

Unterm 24. Oktober 1764 unterschreibt ein Hermann Schnettler unter anderen als Zeuge ein Protokoll in dem Boeler Pastorat.

Aber auch über die Gemeinde Boele hinaus ist der Name Schnettler seit Jahrhunderten urkundlich nachweisbar. Auf dem Kirchhof Hohensyburg stehen mehrere Grabsteine mit dem Namen Schnettler — darunter auch einer aus dem Jahre 1646 für Jörgen Schnettler, Bürgermeister zu Westhofen:

„Ao 1646. Den 21. Juny ist der wolachtbar vnd furnehmer Jorgen Schettler, Bvurgermeister zu Westhofen, in Gott entschlapen."

Grabstein auf dem Kirchhof Hohensyburg

Schließlich und nicht zuletzt ist ein Namensträger Schnettler im baltischen Reval urkundlich bezeugt: Im Stadtarchiv Reval befindet sich eine Namensliste, wonach ein Carl Gustaff Schnettler 1720 ein besonderes Wappen geführt hat.

Kapitel III

Handwerks- und Geschäftsbetrieb seit 1878

Die Metzgerei wurde von dem Urgroßvater der heutigen Inhaberinnen am 1. November 1878 in dem Struck'schen Haus am Kirchplatz in Boele gegründet. Das Schlachthaus befand sich anfangs im Hofgebäude an der Hagener Straße. Der Anfang war nicht rosig, aber zäher Wille und Fleiß des jungen Meisters brachten das kleine Unternehmen in der Boeler Ortsmitte nach und nach aufwärts. Im Jahre 1888 verlegte Fritz Schnettler das Geschäft zur Hospitalstraße 1, wo es heute noch besteht.

Der solide Handwerksbetrieb wurde von dem Gründer am 1. November 1916 seinem in der Metzgerei groß gewordenen Sohn Fritz Schnettler übertragen und von diesem im väterlichen Geiste weitergeführt. Er konnte das Unternehmen den Erfordernissen der Zeit anpassen und weiter ausbauen. So errichtete er im Jahre 1928 ein neues Schlachthaus mit Stallung. Nach der Eingemeindung wurde dieses Schlachthaus überflüssig, da in Hagen Schlachthauszwang besteht. Das anstelle des alten Hauses im Jahre 1929 errichtete neue Geschäftshaus mit moderner Ladeneinrichtung und Kühlanlagen macht seinem Erbauer alle Ehre. Nach Beseitigung der Kriegsschäden konnte der Betrieb 1946 als einer der ersten in Boele wieder eröffnet werden.

Am 1. November 1949 übertrug Fritz Schnettler sen. seinem ältesten Sohne, der wie sein Großvater und sein Vater ebenfalls Fritz heißt, das Geschäft. Zur Kundschaft gehören alle Bevölkerungskreise; das Eingehen auf die Verbraucherwünsche und die gute, persönliche Fühlungnahme mit den Kunden sowie die gewerblichen Leistungen des Betriebes verschafften ihm bald Ansehen und Anerkennung. Seit 1973 wurde das Geschäft von dem vierten Schnettler geführt, der zum Unterschied zu seinen Vorfahren den Namen Friedhelm trägt.

Seit 2009 führen seine Töchter Claudia und Katharina den Betrieb in der 5. Generation. Sie werden, wie auch ihre Vorfahren, bestrebt sein, den Geschäftsbetrieb nach besten handwerklichen Grundsätzen und Fähigkeiten zu führen.

Historisches Panorama von Boele
Boele in früherer Zeit — hier wuchs der Betrieb über Generationen.

Die Zeitleiste

  1. 1878

    Gründung der Metzgerei am 1. November im Struck'schen Haus am Boeler Kirchplatz.

  2. 1888

    Umzug zur Hospitalstraße 1 — bis heute der Standort des Geschäfts.

  3. 1916

    Übergabe an die zweite Generation: Fritz Schnettler führt das Geschäft im väterlichen Geiste weiter.

  4. 1929

    Neubau des Geschäftshauses mit moderner Ladeneinrichtung und Kühlanlagen (1928 zuvor: neues Schlachthaus). Boele wird nach Hagen eingemeindet.

  5. 1946

    Nach Beseitigung der Kriegsschäden Wiedereröffnung — als einer der ersten Betriebe in Boele.

  6. 1949

    Die dritte Generation übernimmt: wieder ein Fritz Schnettler, wie Großvater und Vater.

  7. 1973

    Friedhelm Schnettler führt den Betrieb in vierter Generation — als erster mit anderem Vornamen.

  8. 2009

    Claudia und Katharina Schnettler übernehmen in fünfter Generation.

  9. Heute

    Handwerk nach original Familienrezepten — fast 150 Jahre nach der Gründung.

Kapitel IV

Die Sippe, aus der wir stammen

Im Schutz und Schatten der Boeler Pfarrkirche lebten und wirkten die Vorfahren der Schnettlers, „recht und schlecht und in der Furcht des Herrn" — bis eines Tages einer von ihnen auf den Gedanken kam, seine angestammte Boeler Heimat zu verlassen und sich in Eckesey an der Geltebrücke niederzulassen. War es nun Sehnsucht nach der alten Heimat oder die Hoffnung, dort bessere Geschäfte machen zu können — jedenfalls kehrte einer von ihnen eines guten Tages als verlorener Sohn wieder in das Land seiner Väter zurück. Er scheint die Zeichen der Zeit — die bekannten „Gründerjahre" — verstanden zu haben und gründete im Herbst 1878 eine „Schlachterei". Er legte damit den Grundstein zu dem heutigen Geschäftsunternehmen und ist somit der Stammvater der bekannten Boeler Metzger-Dynastie Schnettler.

Wie bereits erwähnt, gehören die Schnettlers zu den ältesten Boeler Familien; und wie alle alten Boeler können auch sie ihr westfälisches Erbe nicht verleugnen. Auf sie trifft zu, was der Dichter Wilhelm Weber in „Dreizehnlinden" von seinem Helden „Elmar, Herr vom Habichtshofe" berichtet.

Wenn nun allerdings P. D. Frommann in seinem Heimatbuch feststellen zu müssen glaubt, dass viele gewerbliche Betriebe in der Gemeinde Boele „fast ausnahmslos von unternehmerischen Personen aus der Umgebung und nicht von altansässigen Gemeindegliedern gegründet" worden seien, so haben jedenfalls die alteingesessenen Schnettlers in ihrem Geschäft durch die Generationen hindurch wohl das Gegenteil bewiesen.

Im Hagener Raum trägt den Namen Schnettler bereits 1570 ein „Mahlgenosse", ein Interessent der Hagener Mühle. In den Annalen der Boeler Chronik finden wir indes die Familie Schnettler erst nach dem Dreißigjährigen Kriege. Mit einem Gewinnbrief vom 7. April 1681 verpachtete Dietherich Casper Bernd von Ovelacker den sogenannten Kramers Kotten an die Eheleute Johann und Grete Nottebaum genannt Schnettler — mit der Verpflichtung, jährlich zu Martini 9 Malter Hafer, 1 Taler Krautgeld, 10 Hühner, 1 Gans und 10 Schilling (Pfennigsgeld) an das Haus Niedernhof-Hengstey zu liefern und 4 Leibdienste (Mähdienste) zu leisten. In den Registern des Kirchenbuches von St. Johannes Baptist in Boele ist vereinzelt noch die ursprüngliche Berufsbezeichnung Schnetzler oder Schnitzler als Name für mehrere Kotten oder Familien Schnettler angegeben.

Der Stammhof der Familie Schnettler lag im Ortskern Boele — dort, wo der Ingenieur Richard Engelhardt nach Abbruch dieses Stammhauses 1929 einen Neubau errichtete, Denkmalstraße Nr. 4. Gleich nördlich dieses alten Bauernhauses, das sich als Fachwerkbau mit Walmdach von den übrigen mit Satteldächern versehenen Gehöften im Dorfe abhob, hatte Johann Heinrich Schnettler eine Schmiede — und zwar dort, wo heute die Gaststätte „Westfaleneck" steht, Schwerter Straße 144. Die zusätzliche, heute in Boele noch gebräuchliche Bezeichnung „Schnettler-Schmittenpöter" kennzeichnet die besondere Betätigung des Hofinhabers als Schmied, speziell als Hufschmied.

1842 übergaben die Eheleute Johann Heinrich Schnettler und Anna Catharina geb. Schülmann ihr Anwesen der ältesten, im Jahre 1808 geborenen Tochter Gertrud, die den Hufschmied Wilhelm Küthe aus Höringhausen (Hessen) geheiratet hatte. Sie selbst siedelten nach Eckesey über, wo sie 1841 den Kotten Borggräfe an der Geltebrücke gekauft hatten, bewirtschafteten ihn und richteten dazu für ihren ältesten, im Jahre 1812 geborenen Sohn Friedrich eine Wirtschaft ein.

Aus der Ehe dieses Friedrich Schnettler mit Josefine geb. Theile aus Drolshagen entspross der Vater von Dr. Otto Schnettler, der, ebenfalls Friedrich geheißen, Ende der 70er Jahre des vorletzten Jahrhunderts in die Heimat seiner Ahnen, nach Boele, zurückkehrte und in der Dorfmitte, südlich der katholischen Kirche, in dem heute noch stehenden, damals Theodor Struck gehörenden Hause Kirchplatz Nr. 3 eine Mietwohnung bezog und ein Metzgereigeschäft einrichtete.

1900 erwarb er von der Erbengemeinschaft Lammert käuflich zwei im Scheitelwinkel Kirch-/Hospitalstraße gelegene und seit 1888 in Pacht gehabte Häuser, die von den Nachkommen zu einem modernen Fleischerei-Geschäftshaus größeren Formats ausgebaut wurden.

Historische Aufnahme der Familie Schnettler
Die Sippe Schnettler — eine der ältesten Familien Boeles.

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